Steinböcke sind Arbeitstiere

Und weil so ein Steinbock so zuverlässig Werkstattarbeiten ausführen kann – wurde als das richtige Angebot kam direkt einer geschossen. Oft sieht man sie nicht in freier Wildbahn. Und wenn, dann meistens in desolatem Zustand und abgearbeitet.

Aber – es trug sich zu dass man ein gutes Gefühl hatte. Und so ging es dann insgesamt ca. 1100km durch die trübe, staubige und erblühende Bananenrepublik .

bock-1

In Sichtweite zu Konrad, Schacht Konrad, und nicht weit von der Asse II entfernt lag er dann in einem Container auf einem Kiesplatz, der geschossene Bock.

bock-2Eine Landschaft, die geprägt ist von Schwerindustrie, Flachstahl-Toren und gelben Atom-Fässern. Man mag sich nur vorstellen, wie es hier ausgesehen haben mag, als Umweltvorschriften für die Großindustrie noch nicht so streng waren. Selbst heute scheint alles etwas grauer zu sein als anderswo. Besonders an diesem vom Saharastaub getrübten Tag. Also noch schnell dem Konrad einen Besuch abgestattet und dann an einem Kanal, halbwegs idyllisch dem Bock etwas Futter gereicht. Nein, uns eigentlich.

bock-4

 

Und dann ging’s mit einem fest angebundenen Bock wieder zurück. Genau so trüb wie auf dem Hinweg, nicht einmal der Regen konnte für merkliche Aufklarung sorgen. ca. 60km vor Ziel ging es dann zur Umladestation.

bock-5

 

Der Bock wurde in’s Turbo-Coupé gepackt, leider hingen die Hammelbeine zum Kofferraum heraus. Kein Problem, so wurde doch erst kürzlich für eben solche Zwecke eine Lastenverankerung im Coupé nachgerüstet. Fahne dran, Essen fassen und weiter geht’s.

bockschussAm Morgen danach zeigte sich, dass Steinböcke äußerst soziale Herdentiere sind.

Der andere Steinbock hat den Neuzugang begrüßt und aus seinem Käfig befreit. bock_hebt_bock

Ein historischer Wagenheber der Firma „Steinbock“, der Zweite schon. Alt, groß, schwer – und noch immer funktionabel. Echte Arbeitstiere, erschaffen in einer Qualität wie man sie heute lange suchen muss, wenn man sie überhaupt noch findet.

bock-10Zwar von der Tragkraft nicht vergleichbar mit heutigen Wagenhebern, aber durchaus brauchbar. Der Hubwagen mit den Gummirollen darf z.B. „nur“ 500kg heben. Der Wagenheber immerhin schafft 1250kg – was auch heute noch ausreicht für viele Fahrzeuge. Und da Ich eh nur ältere Fahrzeuge fahre – taugt mir sowas.

Die Technik stammt eben aus einer Zeit, in welcher leichte Fahrzeuge wie der VW Käfer dominierten. Einen Trumpf hat ein historischer Steinbock Wagenheber allerdings: er ist für die Ewigkeit gebaut. Jedes bewegliche Teil hat Schmiernippel, die Rollen sind nadelgelagert, alles ist robust und stabil gebaut. Zum anpacken, zum arbeiten, ohne Ausfälle. bock-7bock-8

Der Steinbock ersetzt bzw. ergänz dann das moderne Produkt, dass bisher gut 10 Jahre klaglos seinen Dienst verrichtete. Und hier zeigt sich auf der Fortschritt; der kleine Heber kam damals von ATU und darf über 2t stemmen! Ist für viele Arbeiten aber schlicht zu klein und hat keine ausreichende Hubhöhe. Er kommt nicht weg, aber der Steinbock wird in Zukunft den Großteil der Arbeit erledigen. bock-6

Und auch nach 40-50 Jahren Dienst stemmt der Bock noch problemlos auch einen schweren W124 mit Turbodiesel; Radwechsel werden in Zukunft doppelt so viel Spaß machen!

bock-9Ich wollte so einen Heber schon seit einer geraumen Zeit haben – ein Bekannter hat so einen seit Jahrzehnten im Werkstatteinsatz – ohne Ausfälle. Das hat zum einen überzeugt, zum anderen sieht so ein Wagenheber einfach toll aus. Mit dem geschwungenen Rohrrahmen, dem skelettierten Hubarm und den massiven Gussrollen. Man kann sich für sowas einfach begeistern – und praktisch ist es noch dazu. Ist es also Wahnsinn, für so einen Wagenheber 1100km durch die Lande zu gondeln? Ja, sicher. Aber was wäre die Welt für ein langweiliger Platz, wenn wir alle ganz normal wären 😉

Und wichtige Teile wie Dichtsätze für die Hubzylinder und Achsen sowie Nadellager für Last- und Lenkrollen gibt es noch immer zu kaufen! Bei steinbock-wagenheber.de

Der Wagenheber bekommt jetzt einen großen Schmierdienst, neue Schmiernippel – und die Patina wird mit Leinöl konserviert. Und dann wird er be- und genutzt zu dem wofür er erschaffen wurde.Leider sind viele Schmiernippel abgebrochen und müssen exrahiert werden. Ansonsten wurde der Heber wohl einigermaßen regelmäßig gewartet und ist wenig verschlissen. Der Weg hat sich gelohnt.

Die leichte Restauration:

Der Wagenheber soll benutzt werden. Deswegen gab’s eine ganz leichte Restauration die nach ein paar Stunden schon abgeschlossen war. Und sehr günstig war. 5,60€ für Schmiernippel und 6,66€ für einen 6er Gewindebohrer (wie passend!).

Zuerst den Steinbock aufgebockt – ob daher vielleicht die Redewendung kommt? Auf-Bock-en? Bestimmt. Ist wie Tesa oder Tempo – „Bocken“. Vom legendären Steinbock-Heber. Der sich aber partout nicht von selber aufbocken wollte, der bockige Bock.

bockresto-1Dann wurden die Laufrollen gezogen, gereinigt und die Nadeln begutachtet. Die Welle der Laufrolle hat minimalste Einlaufspuren – kann man lassen. Davon keine Bilder, da der Akku zu der Zeit noch lud. Also müsst Ihr mir einfach glauben was Ich schreibe. smiling smiley

Als nächstes dann einen Torx in die Nippel-Reste gehämmert und dann diese extrahiert. Bohren musste Ich nur bei einem… Insgesamt hat der Bock 15(!) Schmiernippel  – 6 davon waren abgebrochen. Deswegen die Schritte der Restauration exemplarisch an der Hubstangenwelle dargelegt.

bockresto-2

Dann den gut gefetteten Gewindebohrer 1x durchgedreht, um den Dreck zu entfernen – muss ja nicht sein, dass der in die Lagerstellen gepresst wird. bockresto-3

Dann die 7er Nuss rausgesucht und einen frischen Nippel gedreht. Also in’s Gewinde rein.  bockresto-4

Und dann – ordentlich schmieren! Bis frisches Fett an allen Spalten austritt. Ggfs. das gelagerte Teil etwas zu Seite pressen um das Fett auf die andere Seite zu zwingen. Wichtig auch, dass alte Nippel zuerst gerenigt und ausgebaut werden, damit man sie 1x abpressen kann, um Dreck und verharztes Fett aus dem Nippel zu drücken. Dann rein damit und pressen:  bockresto-5

Und zum krönenden Schluss hat er noch eine Massage mit den Fingern und einem leinölgetränkten Lappen bekommen, um das angerostete Metall zu schützen und zu konservieren. Ich finde, dass das eine sehr schöne Patina ergibt

Und damit ist der Bock restauriert, gewartet und wieder voll umfänglich einsatzbereit!

bockresto-6 bockresto-7

4 Gedanken zu „Steinböcke sind Arbeitstiere

  1. Hallo,

    sehr schöner Artikel über den Steinbock. Ich habe meinen H1.25/80A erste vor einer Woche erstanden. Bin total begeistert und suche jetzt noch den passenden Käfer dazu, damit der Bock auch was zu heben hat.

    Viele Grüße Klaus

  2. da ich für einen Kunden, für den ich gestern Abend von 18 Uhr – 22 Uhr eine sehr verschlissene Hydraulik (starke Riefen im Zylinderrohr) von einen Steinbock Rangierheber Mod. H 1,25/80 (ohne A repariert) habe, bin ich bei der Suche nach einem fehlenden Ersatzteil, zufällig auf Ihren köstlichen Artikel über Steinbock Heber geraten. Das zu lesen hat wirklich Spaß gemacht. Ich repariere praktisch jeden Tag (besser Abend) solche gute alte hydraulische Qualitätsgeräte von den PKW und LKW Werkstätten und die Kunden sind danach eigentlich dann sehr glücklich. Sie finden mich unter der E-Mail Adresse: hebidicht@web.de im Internet. Alles gute und vielen Dank für den netten Artikel.

  3. Toller Bericht!
    Hätte von mir sein können!
    Habe vor zwei Jahren auch einen Mod. H 1,25/80A
    „geschossen“ und auch die Hydraulik mit dem Teilesatz vom Volker Mohr überholt.
    Super Gerät! In einer nicht mehr zu kaufenden Qualität! Werd ich vermutlich noch weiter vererben.
    Dabei auch nicht vergessen die Patina zu erhalten. Besonders wenn ich auch noch eine schöne Geschichte zu dem Heber mitbekommen habe .Stammte von einem älteren Herrn der eine Alfa Werkstatt in Heilbronn besaß, und das dies das letzte Werkzeug war das er aus Altersgründen hergegeben hat.Er hing sehr daran und es hat ihn schon Überwindung gekostet.

    Gruß
    Tomkiss

    • Hallo!

      Es ist irgendwie schon reichlich absurd, dass so ein Gerät Emotionen wecken kann. Aber es ist tatsächlich so. Ich geb‘ den auch nicht mehr her… Ich mag den einfach. Sehr.

      Gruß,
      Jan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You human? Solve this: *